Pokermagazin.de - von Jan Meinert und Martin Rohrbach

 

Poker, Prostituierte und pathologisches Spielen

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Stu „The Kid“ Ungar – Der beste Texas Hold'em Spieler aller Zeiten
 

Seit Texas Hold'em in Deutschland derart populär geworden ist, fällt an vielen Pokertischen immer öfter ehrfürchtig der Name Stu Ungar wenn es darum geht, wer der beste Texas Hold'em Spieler aller Zeiten ist. Wer war dieser Mensch und warum war er so gut?

Stuart „The Kid“ Ungar wurde 1953 als Sohn jüdischer Einwanderer geboren. Mit 10 Jahren begann er, in New York Gin-Rummy zu spielen. Das erste Turnier, an dem er teilnahm, gewann er und er erspielte in der Folgezeit als Kind über 35.000 Dollar. Allerdings verlor er das meiste Geld wieder bei Pferdewetten. Seine Gin-Rummy Karriere ging weiter und er kam 1976 nach Las Vegas, wo er seine langjährige Freundin heiratete und eine Tochter bekam. 

Ein Hauptgrund, warum Stu mit dem Poker anfing, war einfach darin zu sehen, dass die gesamte Gin-Rummy Action dieser Zeit durch ihn faktisch gestoppt wurde. Er war einfach zu gut. Stu konnte jeden Gegner besiegen. Der beste Spieler im Gin bis zu Ungars Erscheinen war damals Harry „Yonkie“ Stein. Stein verlor in einem High-Stakes Gin Spiel so übel gegen Ungar, dass er seine Karriere schlagartig beendete und fortan in Gin-Rummy Kreisen nicht mehr gesichtet wurde. Nach diesem Ereignis fand Ungar einfach niemanden mehr, der gegen ihn im Gin antreten wollte. Er war gezwungen, sich ein Handicap bei jedem Gin Spiel zu geben. Er bot seinen Gegnern z. B. an, jeweils die letzte Karte im Stoss anzusehen. Bei anderen Gelegenheiten bot Ungar an, in jeder Runde der Dealer zu sein. All das nützte nichts. Ungar gewann trotzdem jedes Spiel. 

Bei einer Gelegenheit schummelte ein Opponent. Ungar’s Bodyguard teilte Ungar dies mit. Ungar blieb ganz cool und sagte, dass er das schon längst wüsste, es mache aber nichts, weil er ihn ohnehin schlagen würde. So geschah es dann auch. 

1980 nahm Ungar zum ersten Mal an der WSOP teil und gewann prompt, indem er die Pokerlegende Doyle Brunson besiegte. Von da an ging es weiter. Er gewann die WSOP erneut in darauf folgenden Jahr 1981 und noch mal im Jahr 1997. 

Stu Ungar war der beste No-Limit Texas Hold'em Spieler aller Zeiten. Ich denke, das kann man hier an dieser Stelle so sagen. Er hatte ein photographisches Gedächtnis und einen sehr hohen I.Q. Dazu hatte er das Kämpferherz eines Löwen. Es ist wirklich nicht übertrieben, wenn man sagt, dass Stu Ungar ein Mozart des Poker war. 

Leider hatte er über das Talent hinaus auch andere Eigenschaften, die Mozart ebenfalls hatte. Wie Mozart war Stu Ungar ein leidenschaftlicher Zocker. Er verzockte sein Geld wo es nur ging, vor allem beim Golf. Als er das erste Mal in seinem Leben einen Golfplatz betrat, verlor er 80.000 Dollar. Insgesamt waren es Millionen. Darüber hinaus hatte Stu ein massives Drogenproblem. Er liebte Kokain und das wurde ihm zum Verhängnis. Es scheint so, dass sich ein derart schneller Verstand einfach auch viel schneller langweilt und immer einen Kitzel braucht. Ob es das Zocken ist, oder das Kokain. Ich denke, dass das Hirn von Ungar einfach nicht für das normale Leben gebaut war. Ungar’s Gehirn war eher wie ein Formel-Eins-Wagen, der nur für die Rennstrecke konzipiert ist, aber eben nicht für die Straße. Ähnlich war es bei Ungar. Sein Geist war für das Kartenspiel geschaffen. Im echten Leben versagte er. 

1990 wurde Stu Ungar am dritten Tag der WSOP mit einer Überdosis Kokain auf seinem Hotelzimmer gefunden. Er musste ins Krankenhaus und konnte nicht weiterspielen. Sein Chip-Stack war aber bis dahin schon so groß, dass er am Ende noch den 9. Platz belegte, obwohl er nur noch weggeblindet wurde. Sein Preisgeld betrug 20.500 Dollar. 

Stu gewann immer sehr viel Geld beim Poker, um es danach komplett für Drogen und Sportwetten zu verschwenden. Stu war in seinem Leben viermal Millionär und viermal total pleite. Es war immer das gleiche Muster. 1997 gelang es ihm, nach 16 Jahren, den WSOP-Mainevent erneut zu gewinnen, was eine unglaubliche Leistung darstellt. Die Presse taufte ihn daraufhin „The Comeback-Kid“ und Stu hat den Sieg seiner Tochter Stephanie gewidmet. Den Gewinn verschleuderte er leider wieder für Drogen und Sportwetten. 1998 konnte er bei der WSOP nicht antreten, weil er völlig geschwächt von seiner Kokainsucht war. In den Folgemonaten lief er durch Las Vegas und bettelte um Geld. Er behauptete, er brauche das Geld, um wieder zurück an den Pokertisch zu kommen. Ein Bluff. In Wirklichkeit kaufte er sich Crack. 

Am 22. November 1998 wurde Stu Ungar tot auf seinem Hotelzimmer gefunden. Die Todesursache war nicht eindeutig festzustellen, aber er ist wohl letztlich an den Folgen seines jahrzehntelangen Drogenkonsums gestorben. Es war nicht einmal Geld für eine Beerdigung vorhanden, so dass ein Freund von Stu, nämlich Bob Stupak, eine Kollekte veranstalten musste.

Stu Ungar hat mit seinem außerordentlichen Talent insgesamt über 30 Millionen Dollar am Pokertisch gewonnen. Er hat als einziger Mensch dreimal die WSOP im Turniersystem gewonnen. Seine Tochter eröffnete die WSOP 2005 mit den Worten: „Shuffle Up and Deal.“ Sie selbst spielt nicht.

 

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